Donnerstag, 29. Mai 2014

Zerstreut Kaffee trinken

"Guten Morgen, Herr Tjaden."

Etwas zertreut, dafür aber bestens betreut von meinem Jagdterrier Mike Tjaden, suche ich den Eingang zu Konrads Café in Kleinburgwedel. Kleinburgwedel ist ein Dorf, das von Burgwedel betreut wird und in der Nähe ein wenig zerstreut herumliegt. Den Eingang zum Café finde ich nicht. Dafür aber eine Schiebetür. Der Inhaber begrüßt mich (siehe oben). Ich bestelle eine Tasse Kaffee.

"Sie wissen, wer ich bin?", kommt der Inhaber mit dem Kaffee an meinen Tisch. An das Gesicht erinnere ich mich. An mehr nicht.

"Wir sind in Hannover in der Hoffmann-von-Fallersleben-Straße Nachbarn gewesen", sagt er. Ich falle fast vom Stuhl, dabei fällt mir ein, dass ich dort von 1986 bis 1996 gewohnt habe. Bis ich von der ziemlich nervigen Hauseigentümerin vertrieben wurde.

Der Inhaber sitzt längst an meinem Tisch. "Sie haben dort allein gewohnt", sagt er. Nun ist er offenbar ein wenig zerstreut. "Nein", antworte ich, "meine Frau hat die Wohnung gefunden. Als ich damals das erste Mal in die Hoffman-von-Fallersleben-Straße abbog, dachte ich, sie hätte den Verstand verloren. Aber die Wohnung war sehr schön." Er schmunzelt. Wir erinnern uns gemeinsamm an einen stets betrunkenen Hausmeister.

"Ich muss nun das Frühstück für eine Gruppe vorbereiten", macht sich der Inhaber des von Konrads Café wieder an die Arbeit. "Wir können uns später ja noch einmal unterhalten." Dann fragt er mich noch, wo ich denn jetzt wohne. Ich nenne ihm die Adresse. Er sagt: "Kenne ich. Dort wohnt auch die Künstlerin Scholz." Das ist meine Nachbarin. Dass sie Künstlerin ist, höre ich zum ersten Mal.

Daraus habe ich gelernt: Wenn man den Eingang zu einem Café in einem Dorf nicht findet, trifft man einen alten Bekannten, sobald man eine Schiebetür geöffnet hat. Wenn ich noch zerstreuter werde, sollte ich mir ein Zimmer im Altenheim Lindenriek suchen. Das steht auf dem gleichen Grundstück. Zum Kaffeetrinken könnte mich mein ehemaliger Nachbar aus der Hoffmann-von-Fallersleben-Straße abholen.

Mit ein wenig Stolz möchte ich noch anmerken: Konrads Café  habe ich durch den Ausgang verlassen. Die Schiebetür hätte ich möglicherweise auch wiedergefunden...

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